Die vedische Astrologie ist gemäß ihren eigenen Aussagen die älteste Astrologie der Welt, ja sogar der Ursprung aller astrologischen Wissenschaft. Sie wird in den vedischen Schriften beschrieben, die vor 5000 Jahren in der indogermanischen Ursprache, Sanskrit genannt, aufgezeichnet wurden. Das Alter der Veden reicht aber viel, viel weiter zurück, und somit ebenso das Alter der vedischen Astrologie.
Veda bedeutet nichts anderes als Wissen. Vedische Astrologie ist somit das Wissen um die Wirkung der Sterne auf den Menschen. Da stellt sich natürlich die Frage, um welches Wissen es sich dabei handelt. Der folgende Vergleich vermag Licht in diese Frage zu bringen. Wenn sich jemand eine Waschmaschine kauft, dann erhält er oder sie dazu eine Gebrauchsanleitung oder ein Handbuch. Wer sich diese Anleitung sorgfältig durchliest, wird aus der Waschmaschine den optimalen Nutzen ziehen können. Und genauso verhält es sich mit der größten „Maschine“, die existiert: Das Universum.
Natürlich ist das Universum mehr als eine tote Maschine. Es ist vielmehr ein riesiger lebender Organismus. Aber auch dafür gibt es „die Mutter aller Gebrauchsanleitungen“, die Veden, um sich in diesem Gebilde gut zurechtfinden zu können. Die vedischen Schriften mitsamt der vedischen Astrologie sind also eine Gebrauchsanleitung für den richtigen Umgang mit dem Universum. Dabei spielt auch die vedische Astrologie, Jyotish genannt, eine sehr wichtige Rolle. So wie die Veden ewig sind, so liegt auch der Ursprung der vedischen Astrologie außerhalb der Zeit. Wenn ein Universum erschaffen wird, wird mit ihm kala, die materielle Zeit, erschaffen, in deren Verlauf die Lebewesen materielle Handlungen ausführen können. Solche Handlungen und ihre Folgen werden karma genannt.
Die vedische Astrologie ist also die Wissenschaft der Zeit, der Handlungen in der Zeit und deren Wirkungen. Das Horoskop heißt deshalb auch kala-cakra, das Rad der Zeit. Während eine gewöhnliche Uhr meist drei Zeiger besitzt, verfügt die „Uhr“ des Horoskops über neun Zeiger, nämlich die neun Planeten, die im vedischen Horoskop berücksichtigt werden.
Jede Handlung im Universum bringt eine „Frucht“ hervor. Aus diesem Grund werden solche Handlungen auch „fruchtbringende“ Tätigkeiten genannt. Die Früchte können sowohl wohlschmeckend als auch bitter sein. Wer sich an die Gebrauchsanweisung der Veden und der vedischen Astrologie hält, wird gute Früchte ernten. Diese finden ihren Ausdruck in Reichtum, einer hochstehenden Geburt, in Wissen, Macht, Schönheit und anderen positiven Faktoren. Verstößt hingegen jemand gegen die vedischen Anweisungen (und damit gegen die Naturgesetze), sind negative Konsequenzen zu erwarten. Dieses Spiel einer ausgleichenden Gerechtigkeit wird von den devas, den göttlichen Administratoren, im Auftrag Gottes verwaltet. Da diese Wesen von den Planeten repräsentiert werden, kann auf der Grundlage der vedischen Astrologie der Lauf der Zeit mit den Handlungen und deren Wirkung anhand der Bewegung der Planeten nachvollzogen werden. Das vedische Kavaca-Horoskop zeigt uns auf der Grundlage der vedischen Astrologie, wie sich unsere Schwächen im praktischen Leben auswirken und bietet uns gleichzeitig mächtige Hilfsmittel, um diese Schwächen in Stärken zu transformieren.
Die vedische Astrologie erhellt die Qualität unseres Handelns
Das Geburtshoroskop nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Zu jeder Zeit bilden die Planeten in ihrer universalen Verwaltungstätigkeit für jeden Ort energetische Gewebe von ganz einzigartiger Natur. Diese Gewebe könnte man als spezifische Handlungs- und Erlebnisräume beschreiben. Je nach Anziehung wählt das Individuum einen dieser Räume, um dort bestimmte Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen. Das Geburtshoroskop auf der Grundlage der vedischen Astrologie beschreibt also den spezifischen Erfahrungsraum, den ein neugeborener Mensch sich für seine weiteren Tätigkeiten in seiner Reise durch das Universum ausgewählt hat.
Diese Auswahl findet auf der Grundlage von Resonanz statt. Mancher von uns mag denken: „Nein, diese leidvollen Umstände habe ich mir sicher NICHT ausgesucht. Da muss ein Irrtum vorliegen!“ Wir können aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies nicht der Fall ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Universum zwar nach dem Motto „Sie wünschen, wir spielen“ funktioniert, aber nicht auf der Ebene oberflächlichen Wunschdenkens, sondern auf der Grundlage unseres gesamten Wesens, das ebenso das Unterbewusstsein mit einschließt. Das Prinzip der Resonanz berücksichtigt unser ganzes Wesen.
Die vedische Astrologie zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie uns Mittel und Wege in die Hand gibt, eine falsche Auswahl zu korrigieren. Wir sehen, vielleicht auch in unserem eigenen Leben, dass die meisten Menschen in ihrem Leben mit Umständen konfrontiert werden, die sehr herausfordernd sein können. Solche Umstände konfrontieren uns mit Qualitäten unseres eigenen materiellen Wesens, die uns selbst gar nicht bewusst sein mögen. Hier geht es also darum, unbewusste problematische Eigenschaften ans Licht kommen zu lassen und sie dort aufzulösen.
Die vedische Astrologie kennt karmische Korrekturmethoden, mit deren Hilfe sich die Folgen negativer Handlungen (auf der Grundlage von Zorn, Neid, Gier, Angst, Illusion etc.) transformieren lassen, so dass sie ihre Macht über uns verlieren. Vor allem die Wissenschaft der Mantras spielt dabei eine zentrale Rolle. Aber auch die Anwendung von Farben, Edelsteinen, Zahlenkombinationen, geometrischen Symbolen (Yantras) spielen dabei eine wichtige Rolle.
Das Kavaca-Horoskop der vedischen Astrologie bietet auf der Grundlage des vedischen Geburtshoroskops eine Auswahl von Möglichkeiten, wie negative Eigenresonanzen aufgelöst und „durchlichtet“ werden können. Das ist ganz wörtlich zu verstehen, da Bewusstsein gemäß der vedischen Lehre, also auch der vedischen Astrologie, als das ursprüngliche Licht verstanden wird. Das ursprüngliche und reine Licht ist das Licht des freien individuellen Bewusstseins (brahman), das nicht durch materielle Einschränkungen behindert wird.
Es heißt, die Augen seien der Spiegel der Seele. Was wir in den Augen eines Menschen wahrnehmen, ist seine Lebenskraft, d.h. sein Bewusstsein. Je freier sich dieses Licht des Bewusstseins entfalten kann, desto mehr leuchten die Augen eines Menschen. Wir sprechen auch von der Ausstrahlung eines Menschen. Eine starke positive Ausstrahlung entsteht auf natürliche Weise, wenn sich das Licht des Bewusstseins ungehindert in Geist und Körper entfalten kann. Die vedische Astrologie ermutigt uns also, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und unser Licht wieder erstrahlen zu lassen.

